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Die kaum 200 Jahre alte Geschichte der Archäologie beweist, dass die größten Entdeckungen nicht der menschliche Geist machte, sondern der Zufall.
So las ein Arzt die ersten Hieroglyphen, ein Kaufmann fand das sagenhafte Troja, ein Zirkusartist entdeckte das Grab Sethos I. und ein Bauingenieur grub den weltberühmten Pergamonaltar aus. Es ist das Phänomen der Amateure, Barrieren zu beseitigen, die sich die Wissenschaft oft selbst errichtet.
Viele Namen sind Legende, die Umstände der Entdeckung vergessen. Ein einziger Fund, ein Stein, ein Knochen, eine Scherbe, eine Münze etc. machte manchen berühmt.
Heute schlendern wir als Urlauber durch das kretische Knossos, wo Minos in seinem sagenhaften Palast Hof hielt. Im Jet fliegen wir zu den Tempeln von Abu Simbel, wo sich Ramses II. das wohl eindrucksvollste Denkmal seines Größenwahns setzte.
Dabei vergessen wir, dass alle diese Schätze vor nicht viel mehr als eineinhalb Jahrhunderten kein Mensch kannte, weil sie unter dem Schutt der Jahrtausende begraben lagen.
Verdanken wir all diese einmaligen Entdeckungen Besessenen, versponnenen Gelehrten oder verrückten Globetrottern?
Dem Archäologendasein geht der Ruf des Abenteurers und der Romantik voraus.
Das ist nicht ganz falsch und nicht ganz richtig. Sicher ist es abenteuerlich, unbekannten Ereignissen auf die Spur zu kommen, aber dabei darf nicht vergessen werden, dass Archäologie in erster Linie harte Arbeit ist. Zuerst Denkarbeit, wissenschaftliche Forschung, dann Knochenarbeit, Anstrengung und Entbehrung.
Als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (1963/65) am Toten Meer Yigael Yadin Masada, die Felsenfeste Herodes des Großen freilegt, gräbt der Autor mit seinen jungen Historikern auf dem St. Georgsberg in der Waldflur des thüringischen Altenbergen nach den Resten des umstrittenen Klosters Asolveroth, dem Vorläufer des späteren Hausklosters der Grafen von Kevernburg in Georgenthal.
Im Jahre 1967 wird am ungarischen Plattensee der Hof des Ostgotenkönigs Thininder, des Vaters Theoderichs, ausgegraben. Und in den Sommermonaten desselben Jahres (Juli/August) entdeckte der Autor mit seinen Schülern nur 400 m Luftlinie nordwestlich seiner ersten Grabungsstätte, auf dem Alte- bzw. dem Johannesberg, die sagenumwobene erste Kirche des Bonifatius, des "Apostels der Deutschen".
Wie es zu diesen Entdeckungen in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts kommen konnte, welche neuen Forschungsergebnisse hierdurch zum 742 von Bonifatius begründeten Bistum Erphesfurt vorgelegt werden können (vgl. Flurnamenkarte auf der Startseite) und welche Ergebnisse die jahrzehntelange ehrenamtliche Denkmalpflege (1961 bis 1991) zur Erhaltung der Reste der 17. Morimond-Tochter Asolveroth/Georgenthal mit nahezu 1000 jungen Menschen erbracht hat, wird in dieser Homepage dokumentiert.

Mit diesen "Erinnerungen" möchte der Autor auch all jenen Mitstreitern danken, die sein Forschen seit dem 21. 11. 1962 aktiv begleiteten.

Roland Scharff Georgenthal (Thür.) 2001 - 2002


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