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SPURENSUCHE mit jungen Menschen

Was unsere Grabungen von 1967 auf dem Alte- bzw. Johannesberg erbrachten

“Was du ererbt von Deinen Vätern hast,
erwirb es, um es zu besitzen.”
J.W. Goethe

Als der Verfasser mit dem Georgenthaler Bürger Paul Lesser (†) am 21.11.1962, dem damaligen Buß-und Bettag , auf dem St. Georgsberg (Sinjörien) - südöstlich vom Alteberg (mit Candelaber) - auf Mauerzüge des Bergklosters Asolveroth stieß (vgl. hierzu das Vorwort vom Jahre 2002 der Neuauflage: Heinrich Stiehler 1891 „Kloster und Ort Georgenthal“ sowie die Artikel aus dem Amtsblatt des Kreises Gotha zum 40. Jahrestag der AG „Junge Historiker“), ahnten wir nicht , dass wir nur 5 Jahre später auch auf dem Alte - bzw. Johannesberg Mauerzüge der zweimal erweiterten Johanneskirche aus dem 8. Jahrhundert entdecken sollten...


“Der Verfasser beglückwünscht zum 25.Jahrestag der AG “Junge Historiker”am 21.11.1987 seinen Mitausgräber Paul Lesser (†)”

Luftaufnahme vom St. Georgsberg und Johannesberg (Foto Hansjürgen Müllerott, Arnstadt)

Doch wie war es zu jener neuen Entdeckung gekommen... ? Zwei Tagebücher vom Februar 1967 und vom 06. bis zum 23. Juli 1967 geben hierüber Auskunft.
Im Herbst 1966 hatte man die Wasserleitung nach Altenbergen erneuert . Hierbei kamen auf dem Alteberg plötzlich Bestattungen zum Vorschein! Sofortige Telefonate mit Herrn Prof. Dr. G. Behm-Blancke (†) vom Museum für Ur - und Frühgeschichte Thüringens ergaben, dass wir wegen einer Rettungsgrabung bis zum Sommer 1967 warten sollten . Doch wie schon zuvor bei der Fortsetzung unserer Grabungen auf dem St. Georgsberg (vgl. Niederschriften vom 27.09. und 14.10.1963) schaltete sich damals Herr Dipl. phil. Zießler als Leiter der Abteilung Forschung vom Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Erfurt ein und kündigte eine Rettungsgrabung auf dem Alteberg für Frühjahr 1967 an.
Doch wir waren schneller... !
Zu den ersten Ausgräbern vom Februar 1967 gehörten folgende Mitglieder meiner Arbeitsgemeinschaft „ Junge Historiker “ aus Georgenthal:
H.J. Bittner, Joachim Hähnlein , Winfried Onistschenko, Lutz Irmer, H.J. Darr, H.J. Lange, Regina Hanf, Sabine Götze, Jens Götze, Dieter Gottschall, Uwe Ortlepp, Berthold Krebs, Klaus Tank , Renate Wöltjen (†), Renate Burkhardt, Jürgen Lindner, Bernd Gräser, Thomas Möller (†) und der ehemalige Schüler Bernd Hill (jetzt Professor).
Zu diesen gesellten sich umgehend die folgenden Schüler der Catterfelder Schule: Ronald Faulstich, Manfred Grüning, Manfred Oschmann, Jürgen Köth, Peter Stichling, Lothar Huck, Rainer Zink (†); Volkmar Zink (†); Manfred Schmidt, Karl-Heinz Fuchs, Jörg Böhme, Günter Huck sowie der geschichtsinteressierte Catterfelder Bürger Uwe Bischof.
Und diese, gemeinsam mit dem Verfasser , waren die ersten Ausgräber des 20. Jahrhunderts auf dem Alte - bzw. Johannesberg !
Lassen wir uns nun anhand der folgenden Tagebuchaufzeichnungen vom Februar 1967 und vom 06. bis zum 23.07. 1967 über 40 Jahre zurückversetzen ... Mit dieser Erstpublikation möchte der Verfasser auch an all die bereits verstorbenen Mitausgräber ehrend erinnern !
Was das Tagebuch vom Monat Februar 1967 erzählen kann:
6.2. 1967: 29 Schüler (s. Anwesenheitsliste) begannen bei herrlichem Sonnenschein heute 9°°Uhr mit den Ausgrabungsarbeiten auf dem Johannesberg (Candelaber). So begannen wir an 8 Stellen zu graben, um Länge u. Breite des Kirchgebäudes – sowie die Breite der Mauern festzustellen. Die Südmauer misst 1,10m - wohl auch das gesamte äußere Mauerwerk? Die östliche Innenbreite beträgt 9,30m - die westliche Innenbreite nur 9,10m (s. folgende Skizze)! In einer Tiefe von ca. 70cm konnten wir an Grabstelle 7 die erste Münze bergen ... !

Ablichtung Original-Tagebuchauszug mit Skizze

7.2. 1967: Am 2. Tage gruben nur noch 17 Schüler. Nach anfänglichem Sonnenschein begann - gegen 11°° Uhr bei Eintrübung - auch der erste nasse Schneefall.
Trotzdem wurden folgende Ergebnisse erzielt (s. Skizze vom 6.2. 1967):
Stelle 1) Fragmente von Skeletten und in ca. 70cm Tiefe = Nägel...
Stelle 2) In 90cm Tiefe = Eisenhaken...
Stelle 3) a) In 90cm Tiefe der Nordwestecke stießen wir auf zwei sehr gut erhaltene Schädel von Bestattungen . Diese Bestattungen und die Knochenfragmente aus Grabstelle 1 bestätigen , dass diese wohl vom ursprünglichen Friedhof der Bonifatiuskapelle (vgl. auch Stelle 7) stammen und beim um 1042 von Ludwig dem Bärtigen vorgenommenen Erweiterungsbau eingegrenzt wurden (Erweiterungsmauer überdeckt Skeletteile und weitere Knochenfragmente).
b) Weiterer Münzfund in 65cm Tiefe über der Schulter des südlich liegenden Skelettes (gleiches - aber besseres Prägebild als das an Grabungsstelle 7)!

Kölner Hohlpfennige (Durchm. = 10mm - um 1510 geprägt)
(aus Faltblatt von 1984 „Grabungsergebnisse“)

Stelle 4) Diese wurde wieder zugefüllt...;
Stelle 5) Nachdem wir hier eine Masse vom Dachschiefer geborgen hatten, verfüllten wir auch diese Stelle;
Stelle 6) In diesem 2m langen, 1m breiten und 0,90m tiefen Suchschnitt kamen Skelettfragmente (wohl späterer Friedhof?) und viele Eisennägel zum Vorschein...;
Stelle 7) Zwischen der 1,10m breiten südlichen Umfassungsmauer und der nur 65cm breiten südlichen Mauer der Erstgründung (der Bonifatiuskirche?) entdeckten wir zwei Schächte(?) = 25cm x 20cm, die ca. 1,80m hinab reichen und einst Balken aufgenommen hatten...(?), oder aber auch Luftschächte einer Fußbodenheizung gewesen sein könnten?...;
Stelle 8) In diesem 2,50m x 1m großen Suchschnitt entdeckten wir Keramik - und Eisen sowie mögliche Mauerreste...?
8.2. 1967: In den ersten zwei Stunden waren wir heute noch 12 Mann; ab 12°° Uhr dann nur noch 6! Nach anfänglich schönem Wetter , begann es nach 13°° Uhr sehr stark zu schneien, was aus den Fotos ersichtlich wird:

Lediglich der Schädel konnte geborgen werden –
alles andere war gestört!

Die Westmauer oberhalb des Schädels
(sehr grobes Mauerwerk – Grundmauer)

Nordmauer neben dem Skelett
(grobes Mauerwerk)

Folgende Arbeiten mit folgenden Ergebnissen wurden verrichtet:
a) Der Suchschnitt ab Grabungsstelle 1 über 1a zu 7 wurde vertieft. Dabei entdeckten wir eine 90 cm breite Mauer wohl von einer Ersterweiterung(?) der bonifatianischen Kirche. Zwischen dieser und der nur 65cm breiten Nordmauer der Kirche aus dem 8. Jahrhundert befindet sich eine 20cm breite Zwischenfüllung(?). Das Mauerwerk ist gut erhalten und besteht aus dem hier anstehendem Rotliegendem. Hier konnten wir einen weiteren aber nur halben Hohlpfennig mit hauchdünnem Silberdraht bergen.
Grabstelle 2: Hier ergab die Untersuchung, dass das Mauerwerk auf dem hier in 1.15m Tiefe anstehendem Rotliegendem errichtet worden ist.
Grabstelle 3: Der Schädel der in der äußersten Nordwestecke entdeckten Bestattung wurde herausgenommen und zur Untersuchung gesäubert und gut verpackt. Er weist einen stark vorstehenden Oberkiefer auf. Diese Grabung 2,50m x 1,20m erbrachte außer jenem Hohlpfennig und den zwei Bestattungen keine weiteren Funde und wurde wieder verfüllt.
Grabstelle 4: Diese war ja bereits am 7.2. verfüllt worden... ;
Grabstelle 5: Nachdem wir hier ja viel Abbruchschutt, besonders vom Schieferdach, geborgen hatten , war ja auch hier bereits am 7.2. das Graben eingestellt worden... ;
Grabstelle 6: Von hier soll ein ca.1,50m breiter Suchschnitt in Nordrichtung durch die mehrfach erweiterte Kirche gezogen werden. Ergebnis: Die Südmauer der um 1800 völlig eingeebneten Johanneskirche hat eine Breite von 1,10m . Die um 1042 ummauerte Südmauer des Gebäudes aus dem 8. Jahrhundert misst 90cm (mit den beiden bereits erwähnten Luftschächten). Der Innenabstand zwischen dieser und der nur 65cm breiten Nordwand der vermutlichen Bonifatiuskirche beträgt 3,60m (vgl. Faltblatt „Grabungs- ergebnisse Rund um den Candelaber“ 1984).
Grabstelle 7: Siehe hierzu die Ausführungen zu Grabstelle 6.
Grabstelle 8. Hier wurden die Grabungen vorerst eingestellt!
9.2. 1967:
Am 4. Grabungstag betrug die Schneehöhe 3cm, weshalb nur noch 6 Schüler erschienen waren, von denen dann nur noch zwei (L. Huck u. K.H. Fuchs) bis 16°°Uhr mitgruben. Deshalb stellten wir das Graben vorerst ein!
Und zu „Benachrichtigungen über die Grabung am St. Johannesberg“ hat der Verfasser notiert: Am 11.2. 1967 wurde der Rat der Gemeinde Catterfeld nach vorangegangener mündlicher Absprache vom 4.2. 67 schriftlich vom bisherigen Grabungsergebnis in Kenntnis gesetzt!
Durchschriften gingen an 1. Rat des Kreises und 2. Institut f. Denkmalpflege Erfurt. Und hier fand dann am 14. Februar 1967 mit Herrn Zießler und Herrn Egon Hennig (†) vom Thüringer Volkskundemuseum eine Aussprache zur Fortsetzung der Grabungsarbeiten statt . Herr Zieß-ler versicherte, am 15. Februar mit Herrn Prof. Dr. G. Behm-Blancke hierüber ein Gespräch führen zu wollen...
(Anm. v. 8. Juni 2007: Der umfangreiche Schriftverkehr zu unseren Grabungen auf dem St. Georgs- und Johannesberg seit März 1963 liegt beim Verfasser noch zur Einsichtnahme vor.)
Sonnabend, der 18.2.1967:
Mit den folgenden Ausführungen enden die Tagebuchaufzeichnungen von unseren ersten Grabungen auf dem Alteberg:
Heute wurde am Schnitt weitergearbeitet. Wiederum waren bis 12:30 Uhr nur 3 Schüler zugegen, während ab 14:30 Uhr der ehem. Schüler B. Hill mit grub und meinte, dass jene Schächte auch auf einst eingemauerte Balken einer Holzkirche verweisen könnten? Die Schieferschicht des einstigen Kirchendaches im Schnitt beträgt ca.10cm...!
Ausgehend auch von diesen Tagebuchaufzeichnungen, Fotos und Grabungsskizzen vom Februar 1967 sowie dann besonders aufbauend auf die Grabungsergebnisse vom Juli des Jahres 1967, konnte der Verfasser bereits am 07. Juli 1972 - vor nunmehr 35 Jahren - an der damaligen Pädagogischen Hochschule „Karl-Friedrich-Wilhelm-Wander“ in Dresden die folgende Belegarbeit erfolgreich verteidigen:
„Frühgeschichtliche Funde in der Flur Catterfeld und die Möglichkeiten neuer Aussagen zur Christianisierung Thüringens“.

Brief Rettungsgrabung Gemeinde Catterfeld

Brief Rettungsgrabung Museum Friedrich-Schiller-Universität Weimar

Doch wie war es dann schließlich doch noch zu der vom Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens und dem Institut für Denkmalpflege Erfurt bereits im Februar 1967 besprochenen “Rettungsgrabung“ gekommen? Aus Anlass der 50. Wiederkehr der Oktoberrevolution hatten beide Institutionen damals dem Vorschlag der Schulbehörde, eine diesbezügliche Ferienexpedition auf dem Alteberg durchzuführen, zugestimmt! Und unter dem Leitmotiv:
„Auf den Spuren der großen Freundschaft“ errichteten dann die Mitglieder der Georgenthaler Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker“ mit Ihrem Arbeitsgemeinschaftsleiter, dem Verfasser dieser Publikation, und mit großer Unterstützung des Catterfelder Forstingenieurs Manfred Grüning auf der Georgswiese ihr Zeltlager.

Der Verfasser, Roland Scharff, im Juli 1967 vor der jetzigen Schule in Catterfeld.



Was uns das Tagebuch vom 06.07. bis zum 23.07.1967 zu erzählen weiß:
Catterfeld, den 6.7. 67:
Um 12:30 Uhr trafen wir uns bei Herrn Scharff zum großen „Kirschenessen“. Danach fuhren wir mit den Rädern nach Catterfeld. Gegen 15°°Uhr fuhr uns endlich ein Traktor der LPG mit einem Hänger unser Gepäck zum Zeltplatz . Hier bauten wir dann zwei Zelte auf. Am Abend traf sich bei uns die gesamte Expeditionsgruppe am Lagerfeuer. Hier wurde gemeinsam unter Leitung von Herrn Scharff gesungen.
S. Langer

Nordostecke Bonifatiuskirche

Zeltlager 1967
(Für uns alle unvergessen, die Unterstützung durch den Catterfelder Forstingenieur Manfred Grüning)

Catterfeld , den 7.7. 67: Nach dem Frühstück setzte unsere Forschungsgruppe die in den Winterferien begonnenen Ausgrabungsarbeiten fort. Zwei Mitglieder begannen mit der Erforschung der KPD Catterfelds. Heute sprachen sie mit dem langjährigen Vorsitzenden der KPD , Herrn Richard Engelhaupt (s. Dokument.).
Am Nachmittag stellten wir ein weiteres Zelt auf. Ferner betätigten wir uns bis zum Abendbrot bei Sport und Spiel. Das Essen war prima!
S. Langer Catterfeld, den 8.7.67:
Am Vormittag setzten wir die Ausgrabungen fort. Hierbei entdeckten wir an der östlichen Quermauer eine nach Osten schauende Mauer. Weiterhin konnten Eisen-Keramik-und Glasreste geborgen werden. Die zwei Mädchen arbeiteten ihre Stichpunkte (KPD) aus. Am Nachmittag führten wir ein Zielschießen durch:
1. Platz: Herr Scharff = 89 Ringe
2. Platz: A. Hacker = 78 Ringe
3. Platz: H. Schütz = 43 Ringe
4. Platz: H.J. Bittner = 42 Ringe
Nach dem Abendbrot spielten wir Fußball. S. Langer
Catterfeld , den 9.7.67: Am Vormittag wurde das Grabungsgelände mit Draht eingezäunt u. die Grabung fortgesetzt. Hierbei fanden wir erneut feinen Silberdraht. Am Nachmittag empfingen die Kinder den Besuch ihrer Eltern und Großeltern, der aber mit einem bedauerlichen Unfall endete...
Der Abend klang wie gewöhnlich mit einem Fußballspiel sowie mit einem Lagerfeuer aus. S. Langer
Catterfeld, den 10.7.67: Auch am Montag setzten wir die Grabung fort. Hierbei entdeckten wir im nordöstlichem Teil des Suchschnittes in ca. 1,90m Tiefe drei in Steinpackungen befindliche Bestattungen mit einigen Eisenresten (Kreuznadel?). Der Nachmittag gehörte den Wasserratten! Wir besuchten das Schönauer Schwimmbad. Ab 16°°-18°°Uhr setzten wir die Grabungen fort. Die Mädchen erforschten heute Leben und Kampf von Karl Haack. S. Langer
Catterfeld, den 11.7.67: Die Grabungsarbeiten wurden heute verstärkt fortgesetzt , da morgen Vertreter des Museums für Ur- und Frühgeschichte Weimar und der Denkmalpflege Erfurt erwartet werden. Die Mädchen erforschten Leben und Werk des August Bischof. Am Abend führten wir wieder unser Tradition Fußballspiel durch. S. Langer
Catterfeld, den 12.7.67: Der Suchschnitt wurde von uns fertiggestellt. 11:30°°Uhr erschienen die „Gäste“ aus Weimar und Erfurt, die sich unmöglich benahmen! Besonders der Kollege Kaiser von der Denkmalpflege Erfurt, der Herrn Scharff vor den Schülern brüllend sagte, dass er von ihm den Kanal bis oben voll habe und man ihn bestrafen*) müsste. Wir erhielten den Auftrag, alles wieder zuzuschütten! Dieser Tag war für uns alle niederschmetternd! S. Langer
*) Anmerkung d. Verfassers: Jene „Bestrafung“ hatten damals der Georgenthaler Oberpfarrer Hülsemann (†) sowie der Heimatforscher Langlotz (†) vom Kreiskirchenamt Gotha (s. Originalbrief) gefordert, die noch viel Ärger bereiten sollten ...
Catterfeld, den 13.7. 67: Trotz schlechter Stimmung wurde alles fotografiert sowie mit dem Zuschütten begonnen. Nach dem Mittagessen wanderten wir nach Georgenthal. Hier sahen wir im Kinosaal des „Thür. Waldes“ die beiden Teile des Films „Die drei Musketiere“. Am Abend wurde Fußball gespielt, ein Lagerfeuer entzündet und gesungen! S. Langer
Catterfeld, den 14.7.67: Heute wurden alle Stichp. Zur Geschichte d. KPD Catterfelds zusammengefasst und der Suchschnitt weiter verfüllt (mit Hilfe des Forstingenieurs M. Grüning)! Bei Gewitterstimmung erlebten wir am Abend noch einige gemütliche Stunden. S. Langer
Hier enden die Tagebuchaufzeichnungen der sehr fleißigen Schriftführerin Silvia Langer, die dann von der vor Jahren leider tödlich verunglückten Veronika Rudolph fortgesetzt wurden:
Catterfeld, den 15.7. 67: Durch das gestrige starke Regenwetter war die Grabung stark gefährdet. Daher gingen wir daran , alles genauestens zu vermessen. Morgen wird die Grabung (mit Stockenholz u. Erde) zugeschüttet! Die Mädchen erforschten mit Herrn Krebs noch die kommun. Kinderbewegung. Und am verregneten Abend vergnügten wir uns in den Zelten mit Gesellschaftsspielen. V. Rudolph
Catterfeld, den 16.7. 67: Nach dem Kaffeetrinken gingen wir daran , unsere Grabung trotz starken Regens weiter zuzuschütten und das Gelände genau zu vermessen! Am Abend wurde noch ein Stündchen Karten gespielt. Müde suchten wir dann unser Zelt auf und schliefen bald darauf ein. V. Rudolph
Catterfeld, den 17.7. 67: Auch am Sonntag setzten wir unsere Zuschüttungsarbeiten fort. Während die Jungen zuschütteten , begannen wir Mädchen mit Herrn Scharff mit weiteren Vermessungsarbeiten. Nach dem Mittagessen , das wir immer in der Schulküche (Fabrik - dann Schule) eingenommen haben, beschäftigten wir uns vielseitig. Am Abend spielten die Jungen mit Herrn Scharff Fußball, während wir Mädchen uns im Zelt unterhielten. Leider ging dieser schöne Abend viel zu schnell zu Ende! V. Rudolph u. S .Langer
Catterfeld, den 18.7. 67: Am Montag wurde die Grabung weiter verschüttet und an die Ausarbeitung der kommunistischen Kinderbewegung herangegangen. Der Nachmittag sah uns fast alle im Schönauer Schwimmbad, wo Hansi Darr und Sabine Metze ihre 2. Schwimmstufe ablegten! Der Tag endete mit dem üblichen Fußballspiel und dem Singen (mit Ziehharmonika) am Lagerfeuer! Roland Scharff (Grabungsleiter)

Der Candelaber im Juli 1967

Suchschnitt von Süd nach Nord (Stehend: A. Hacker)

Nördlicher Teil des Suchschnittes vom Juli 1967
auf dem Alteberg

Blick auf den 2,10 m tiefen Suchschnitt
mit Nordmauer der Bonifatiuskapelle

Innenraum Bonifatiuskirche
(Nord- und Ostmauer)

Klaus Tank (= Bückender)
Berthold Krebs (= Stehender)

Merke: Im Jahre 1993 veröffentlichte Herr Prof. Dr. Helmut Assing von der Universität Potsdam in seiner Publikation:
"Der Aufstieg der Ludowinger in Thüringen" die beiden oberen Fotos des Verfassers auf Seiten 26 und 25 und das untere Bild auf Seite 50 erstmals.
Professor H.Assing bezog sich in seiner Publikation "Der Aufstieg der Ludowinger in Thüringen" (s. Heimatblätter '92 des Eisenacher Landes, S. 19 - 28) im VI. Abschnitt : "Die Anfänge der Ludowinger in Thüringen" als erster Wissenschaftler hier vor allem auf die Grabungsergebnisse des Autors, dem er in sein Buchgeschenk folgende Widmung geschrieben hat: ‘Herrn Scharff zugeeignet, dem unermüdlichen Kämpfer für die Würdigung der historischen Bedeutung seiner engeren Heimat! (Dabei bitte nicht vergessen: Est modus in rebus). H. Assing, 16. 12. 1993’

Suchschnitt St. Georgsberg von Nord nach Süd
(aus der Diplomarbeit des Verfassers vom 25. April 1964)

Nordostecke der Bonifatiuskirche auf dem Alteberg / 1967
Merke: Auch dieses Foto des Verfassers veröffentlichte Herr Prof. Dr. Helmut Assing
bereits in seiner Publikation auf Seite 23.

Südostecke der Bonifatiuskirche
mit drei Stufen einer Wendeltreppe (?)

Und hier säubern Andreas Hacker und H.J. Bittner bereits im Sommer 1966
die Skelettfunde vom Jahre 1963vom St. Georgsberg.

Hinter Andreas Hacker sind von links nach rechts zu sehen:
Silvia Langer,
Sabine Metze
und Christiane Piwolinski.


Zeichnung Grabungsergebnisse

Unser Arbeitseinsatz vor 25 Jahren am Alteberg.
Der Sitzende mit roter Trainingsjacke ist Steffen Kämmerer,
der derzeitige Ortsbürgermeister.

Tafel zur Ausgrabungsstätte (seit April 1993)
(Gestaltung und Ausführung = Helmar Faulstich, Catterfeld)

... Fortsetzung von Blatt 15 ...

Catterfeld , den 19.7. 67:

Diesen Tag hatte Silvia Langer noch vorgeschrieben, doch hier brechen die Tagebuchaufzeichnungen ab ... Und am 19.01. 1982 schrieb der Verfasser dieser Publikation hierzu:
„Genau 15 Jahre nach diesen Forschungen kann festgestellt werden, dass nicht nur die Grabungen (wegen bösartiger Verleumdungen) eingestellt werden mussten, auch alle Forschungsergebnisse zur Entwicklungsgeschichte der KPD Catterfelds angeblich „verlegt“ wurden, uns also nur diverse Aufzeichnungen und Fotos verblieben sind...
Und wiederum 20 Jahre später, am 03.04. 2002, will man in Georgenthal hiervon nichts mehr wissen...“? Doch 5 Jahre später , am 7. Mai 2007, sollte ein längeres Gespräch zwischen dem sehr aktiven Mitausgräber (vgl. Fotos) vor 40 Jahren auf dem Alteberg - Herrn Andreas Hacker - mit seinem damaligen Arbeitsgemeinschaftsleiter letztendlich zu dieser Rückbesinnung führen!
Ich danke dem Andreas für seine moralische und finanzielle Unterstützung beim Zustandekommen dieser Publikation und seiner Mitarbeiterin, Frau Roswitha Cramer, für deren technische Hilfe!
Für die zeitweilige Überlassung der in den Jahren 2002 und 2003 im Amtsblatt des Landkreises Gotha erschienenen Artikel zu den bisherigen Ergebnissen meiner Forschungen zur Geschichte des Gebietes „Rund um den Candelaber“ sowie der Nutzung derselben für diese Erstpublikation danke ich Frau Jäschke von der Pressestelle des Landratsamtes Gotha.
Mein besonderer Dank gilt meinem Sohn Jörg Scharff, der für die Gesamtgestaltung dieser Publikation gesorgt hat!
... Doch worüber staunten vor fünf – bzw. vier Jahren die Leser des Amtsblattes des Kreises Gotha; worüber dann in den Jahren 2003, 2004, 2005 und 2006 sogar die Niederländer?
Roland Scharff , Georgenthal , den 23. Juni 2007

Amtsblatt, 20.11.02, S. 11

Amtsblatt, 27.11.02, S. 20

Amtsblatt, 26.02.03, S. 12

Amtsblatt, 02.04.03, S. 7

Amtsblatt, 18.06.03, S. 16

Amtsblatt 17.09.03, S. 19

Haarlem-Publikation von 2006
(= die 4. Publikation)

Haarlem-Brief

Der Candelaber im Winter
(Aufnahme vom Ehrenbürger Catterfelds, dem ehemaligen Pfarrer Gottfried Uber)


Beim diesjährigen Weihnachtsbesuch (2008) verabschiedete sich Gottfried Uber von Roland Scharff mit folgenden Worten:
"Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern".

 

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